21. Dezember 2018, 10:00 derstandard.at
Finnland untersucht 1.400 eigene SS-M?nner im Zweiten Weltkrieg

Beteiligung finnischer Freiwilliger an Kriegsverbrechen in der Ukraine und im Kaukasus soll gepr?ft werden.

Tel Aviv Finnland untersucht die Rolle von mehr als 1.400 finnischen Freiwilligen in der SS-Einheit "Wiking" bei Gr?ueltaten w?hrend des Zweiten Weltkriegs. Die Untersuchung erfolge auf Bitte des Wiesenthal-Zentrums, sagte Jussi Nuorteva, Leiter des finnischen Nationalarchivs, in Tel Aviv. Einen Bericht mit Schlussfolgerungen wolle man im Februar auf Englisch ver?ffentlichen.

Nach dem Verlust von Gebieten im "Winterkrieg" 1939-1940 gegen die Sowjetunion k?mpfte Finnland 1941 an der Seite Deutschlands gegen die UdSSR. 1408 finnische Freiwillige h?tten in den Jahren 1941 bis 1943 in einem Bataillon der Waffen-SS gedient, sagte Nuorteva. 80 Prozent h?tten vorher dem finnischen Zivilschutz angeh?rt, ein gro?er Teil sei 17 bis 19 Jahre alt gewesen.

Viele geh?rten dem rechten Rand des politischen Spektrums an. Nur wenige h?tten jedoch die NS-Rassentheorien unterst?tzt, so Nuorteva. Sie h?tten vielmehr eine milit?rische Ausbildung f?r einen k?nftigen Krieg mit der Sowjetunion angestrebt. 256 von ihnen seien get?tet und 686 verletzt worden. Acht der Freiwilligen seien heute noch am Leben.

Schwierige Strafverfolgung

"Die Offenlegung der Informationen schafft die Basis f?r ein besseres Verst?ndnis unserer Vergangenheit", sagte Nuorteva. Efraim Zuroff, Direktor des Simon Wiesenthal Centers in Jerusalem, habe im J?nner um die Studie gebeten; im Mai sei dann das Nationalarchiv damit beauftragt worden.

Zentrale Frage der Untersuchung ist, in wieweit die finnischen Freiwilligen an Verbrechen gegen Juden, andere Zivilisten und Kriegsgefangene in der Ukraine und im Kaukasus beteiligt waren. Quelle der Untersuchung seien 75 Tageb?cher der finnischen Freiwilligen, aber auch Dokumente aus deutschen Archiven und der Holocaust-Gedenkst?tte Yad Vashem in Jerusalem.

Eine Strafverfolgung der letzten lebenden Mitglieder der Einheit sei aufgrund der Beweislage ?u?erst schwierig, sagte Zuroff. "Mir ist vor allem die historische Wahrheit wichtig. Heute m?ssen wir gegen eine verzerrte Darstellung des Holocausts k?mpfen, vor allem in Osteuropa."

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